Gemeinsam nahmen Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Burkhard Drescher, Geschäftsführer der Innovation City Management GmbH (ICM), Maren Wenzel und Dr. Manfred Lange vom Gas- und Wärme-Institut Essen (GWI), Lothar Ahle von der Westnetz GmbH und Dr. Bernd-Josef Brunsbach von der Emscher Lippe Energie (ELE) die Stele am ZIB in Betrieb. Foto: ICM

Bottrop ist jetzt Haltestelle auf der „Route der Energie“

• Das Energiewende-Projekt DESIGNETZ entwickelt Grundlagen für das Gesamtenergiesystem der Zukunft.
• Drei Bundesländer arbeiten dafür als Modellregion zusammen und präsentieren Einzelprojekte entlang der „Route der Energie“.
• Die Haltestelle in Bottrop steht für die Energiewabe InnovationCity, in der Mikro-KWK-Anlagen das Stromnetz stabilisieren sollen.
• Interaktive Stele am ZIB informiert ab sofort über die Blaupause für das innovative Energiesystem von morgen.

Sie ist zwei Meter hoch, lädt zu einer Entdeckungsreise mit dem Smartphone ein und steht jetzt am Eingang zum Zentrum für Information und Beratung (ZIB) gegenüber vom Hauptbahnhof Bottrop: die neue DESIGNETZ Stele. Sie ist eine von insgesamt 16 geplanten oder bereits aufgestellten Haltestellen entlang der „Route der Energie“, die durch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland führt. Die drei Bundesländer bilden in ihrer Kombination aus urbanen und ländlichen Strukturen eine ideale Modellregion zur Entwicklung eines zukunftsfähigen Energiesystems. Mit Hilfe der interaktiven Stelen will innogy SE gemeinsam mit den 46 Projektpartnern die Bausteine für eine Energiewende erlebbar machen und die Nutzer der Stelen-App über die Ziele von DESIGNETZ informieren. Bottrop trägt mit der Energiewabe InnovationCity zum Energiesystem von morgen bei: Einige Strom produzierende Heizungen (Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen) aus dem Forschungsprojekt „100 Mikro-KWK-Anlagen“ sollen dabei helfen, das Stromverteilnetz auf unterster Ebene zu stabilisieren.

Gemeinsam nahmen Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Burkhard Drescher, Geschäftsführer der Innovation City Management GmbH (ICM), Maren Wenzel vom Gas- und Wärme-Institut Essen (GWI), Lothar Ahle von der Westnetz GmbH und Dr. Bernd-Josef Brunsbach von der Emscher Lippe Energie (ELE) die Stele nun in Betrieb.

Oberbürgermeister Bernd Tischler zeigte sich erfreut, dass die InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop ab sofort ein real ansteuerbarer Punkt im DESIGNETZ ist: „Das Projekt DESIGNETZ passt hervorragend in unsere Klimastadt. Mit der Eröffnung der Stele zeigen wir, dass wir 2010 einen nachhaltigen Prozess in dieser Stadt angestoßen haben, der auch Jahre später noch wichtige Entwicklungen vorantreibt. Mein Dank gilt den Projektpartnern für ihre innovativen Ideen und ihre Beharrlichkeit in der Umsetzung. Es zeichnet unsere Laborstadt Bottrop aus, dass wir selbst kniffeligste Herausforderungen angehen und Lösungen für die Zukunft finden.“

Blaupause für das Energiesystem der Zukunft

Lothar Ahle, Projektleiter bei DESIGNETZ, erklärte den Teilnehmern bei der Inbetriebnahme der Stele das Energiewende-Projekt: „Unser Ziel ist es, mit DESIGNETZ eine Blaupause für das Energiesystem der Zukunft zu entwickeln. Wir wollen mit 46 Partnern in 30 Demonstrationsprojekten die Rahmenbedingungen erforschen, wie ein dezentrales Energiesystem mit einem sehr hohen Anteil an erneuerbaren Energien umgesetzt werden kann und gleichzeitig der Netzausbau reduziert wird. Mit DESIGNETZ denken wir die Energiewende vom Ziel her und demonstrieren, dass ein dezentral organisiertes Energie-Gesamtsystem funktioniert. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine klimafreundliche und kosteneffiziente Energieversorgung von morgen. Die Energiewabe InnovationCity ist dabei ein wichtiger Baustein und wesentlicher Bestandteil.“

ICM-Geschäftsführer Burkhard Drescher treibt den klimagerechten Stadtumbau in Bottrop und vielen weiteren Kommunen in Deutschland voran. Er ist überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden wird. „Bei einer Analyse von 20 Stadtquartieren im Ruhrgebiet haben wir herausgefunden, dass diese Quartiere ihren Strombedarf mit der Nutzung von Sonnenenergie untereinander komplett abdecken und die gleiche Strommenge sogar noch abgeben könnten. Das Potenzial ist vorhanden – wenn wir es jetzt noch schaffen, intelligente Stromverteilsysteme zu entwickeln, sind wir einen großen Schritt weiter. Ich freue mich, dass die erste InnovationCity Deutschlands mit ihren häuslichen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen an diesem Forschungsvorhaben beteiligt ist.“

Häusliche Mikro-KWK-Anlagen stabilisieren das lokale Stromnetz

Wie die Bottroper KWK-Anlagen in das Energiewende-Projekt eingebunden sind, erläuterte Prof. Dr. Klaus Görner vom Gas- und Wärme-Institut Essen (GWI): „In der Energiewabe InnovationCity werden drei der 100 Mikro-KWK-Anlagen in Bottrop sowie eine weitere Anlage beim GWI in Essen zur Stabilisierung des Verteilnetzes herangezogen. Dazu werden sie demnächst mit modernen Kommunikationssystemen ausgestattet, sodass sie ferngesteuert betrieben werden können. Wird zusätzlicher Strom benötigt, werden die KWK-Anlagen aktiviert und lokale Schwankungen im Stromverteilsystem damit ausgeglichen.“

Die vier KWK-Anlagen müssen zukünftig nicht nur dann Strom produzieren, wenn die Privathaushalte ihn brauchen, sondern auch wenn zusätzlicher Strom im Verteilnetz benötigt wird. Intelligente Messsysteme in der Ortsnetzstation überwachen den Zustand des Verteilnetzes. Wird ein erhöhter Strombedarf an das System Cockpit – eine übergeordnete Instanz, bei der viele Daten zusammenlaufen – gemeldet, können die KWK-Anlagen per Fernsteuerung eingeschaltet und aktiviert werden, sodass sie Strom für das lokale Netz produzieren. Maren Wenzel vom GWI sagte: „Wir wollen in der Energiewabe InnovationCity prüfen, wie flexibel häusliche Mikro-KWK-Anlagen betrieben werden können. Zum einen sollen die Anlagen das Stromnetz auf der untersten Ebene bei Bedarf stützen, zum anderen sollen die Haushalte nicht in ihrem Verbrauchsverhalten eingeschränkt werden.“

Dr. Bernd-Josef Brunsbach, Geschäftsführer der Emscher Lippe Energie (ELE), lobte die Idee hinter DESIGNETZ: „Wir sind nicht nur selbst in vielerlei Hinsicht Richtung Energiewende unterwegs, sondern wir investieren auch viel Zeit und Geld in Themen und Projekte, um unseren Kunden den Weg zu ebnen, aktiv an der Energiewende teilzuhaben. Viele wollen heutzutage nicht nur zuschauen und darauf warten, dass etwas passiert, sondern selbst an der Energiewende mitwirken. Deshalb sind wir sehr gerne bei solchen Projekten dabei, die schon ein wenig weiter schauen. Das macht uns und die Emscher-Lippe-Region in Energiefragen fit für die Zukunft.“

Energiewende wird an virtueller Stele in Bottrop per App erlebbar

Weitere Informationen rund um das Projekt Energiewabe InnovationCity und DESIGNETZ erhalten alle interessierten Bürger direkt an der nun offiziell in Betrieb genommenen Stele. Warum ist die Energiewende eine Herausforderung für das Stromnetz? Wie wird das Stromnetz fit für die Zukunft gemacht? Fragen dieser Art beantwortet eine mit der Stele verbundene DESIGNETZ App spielerisch. Sie steht im App Store kostenlos zum Download zur Verfügung.

Und so funktioniert die DESIGNETZ App: Die App öffnen und mit dem Smartphone über die Grafik auf der Säule bewegen. Dabei entsteht eine faszinierende, dreidimensionale Welt. Wer die App auch zu Hause nutzen möchte, kann das erforderliche „Spielfeld“ auf www.designetz.de herunterladen.

 

Über DESIGNETZ

DESIGNETZ erstreckt sich über die drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Hier leben nicht nur rund 23 Millionen Menschen; die Länder bilden „im Kleinen“ auch alle wesentlichen energiewirtschaft-lichen Herausforderungen ab, die es im Rahmen der Energiewende vorzudenken gilt: von der Versorgung stark industrialisierter und dicht besiedelter Bereiche im Ruhrgebiet über ländliche Regionen mit heute schon hoher Erneuerbaren-Einspeisung wie die Eifel bis hin zum Saarland, wo sich Energiebedarf und -erzeugung regional gut ausgleichen lassen. Es ist damit das umfassendste Energiewende-Projekt überhaupt.

Das gesamte Projektvolumen beläuft sich auf 66 Millionen Euro, 30 Mio. Euro Fördergelder steuert das BMWi im Rahmen seines Förderprogramms SINTEG bei. Im Zentrum der insgesamt fünf SINTEG-Förderprojekte stehen die intelligente Vernetzung von Erzeugung und Verbrauch sowie der Einsatz innovativer Netztechnologien und -betriebs-konzepte. Weitere Informationen unter www.designetz.de.