Die Justizvollzugsanstalt Meisenhof will energieautark werden

Die Lerchenstraße in Castrop-Rauxel: Das ist seit 1968 die liebliche Adresse der Justizvollzugsanstalt Meisenhof. In insgesamt zwölf Hafthäusern leben dort Männer, die entweder zu einer kurzen Haftstrafe verurteilt wurden oder nach längerer Inhaftierung auf ihre Entlassung vorbereitet werden.

Der Meisenhof, ehemals ein Heim für Lehrlinge und Jungbergleute der Zechen Ickern und Victor, ist ein Haus des offenen Vollzugs – mit 567 Haftplätzen und nur geringen instrumentellen Sicherheitsvorkehrungen. Es gibt keine Gitter, keine Zellen, keine Einschließzeiten – nur einen etwa vier Meter hohen Zaun rund um das 13 Hektar große Anstaltsgelände. Der Leiter der Justizbehörde, Julius Wandelt, formuliert das Ziel seines Hauses wie folgt: „Wir setzen alles daran, Gefangene fit zu machen für ein straffreies Leben.“

JVA-Leiter Julius Wandelt (l.) und Armin Kersting präsentieren das Bild eines ehemaligen Kollegen. Foto: Dirk Böttger/ICM
JVA-Leiter Julius Wandelt (l.) und Armin Kersting präsentieren das Bild eines ehemaligen Kollegen. Foto: Dirk Böttger/ICM

 

Aktuell will Wandelt zusammen mit Armin Kersting, Leiter der Bauabteilung der JVA, aber etwas anderes fit machen: die insgesamt 21 Gebäude. Die Vision in Castrop-Rauxel ist eine energieautarke Anstalt. Die Idee und die Begeisterung für dieses Thema sind in der Konzeptphase des InnovationCity-Prozesses entstanden. Warum nicht versuchen, auf den fossilen Brennstoff Gas zu verzichten? „Wir würden gerne auf eine Wärmepumpe in Kombination mit Solarthermie umstellen“, erklärt Kersting. Dafür bräuchte er allerdings eine Flächenheizung und nicht diese vielen Heizkörper in den Unterkünften der Gefangenen, den Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden. Kersting bleibt optimistisch: „Wir lassen uns nicht entmutigen. Ich denke, ein Umbau in modularen Schritten ist möglich.“

Über die Verwirklichung der Pläne haben Wandelt und Kersting bereits mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB NRW) gesprochen. Die JVA ist nur Mieter der Immobilie, der BLB als Eigentümer für die Modernisierung zuständig. Das Interesse, in der Energieversorgung unabhängig zu werden, ist auch beim Land groß, nun werden die Möglichkeiten ausgelotet. Bislang sind einzig auf dem Dach des Technikraums Solarthermie-Kollektoren für die Warmwassergewinnung installiert. Bauabteilungsleiter Kersting sieht das große Potenzial für Photovoltaik: „Wir haben so viele Dachflächen, die in Richtung Süden zeigen und nicht verschattet werden. Das sind optimale Bedingungen für eine solare Stromerzeugung.“

Auf einem Dach der JVA gibt es Solarthermie-Module. Geht es nach dem Wunsch der Behördenleitung sollen noch viele Photovoltaik-Module auf anderen Gebäuden folgen. Foto: Dirk Böttger/ICM
Auf einem Dach der JVA gibt es Solarthermie-Module. Geht es nach dem Wunsch der Behördenleitung sollen noch viele Photovoltaik-Module auf anderen Gebäuden folgen. Foto: Dirk Böttger/ICM

 

Zur Meisenhof-Vision zählt neben der energetischen Sanierung der bestehenden Gebäude auch ein Neubau. Die Werkstätten – mit Schlosserei, Tischlerei, Zerlegebetrieb, Elektro- und Grafikbereich – sollen eine neue, größere Kfz-Halle bekommen. Denn in Castrop-Rauxel werden die Einsatzfahrzeuge und Gefangenentransporter der Landesreserve ausgestattet und technisch in Schuss gehalten. „Wir erhalten die Fahrzeuge ab Werk mit einer Grundausstattung und sind dann für die Spezialisierung zuständig, also für die Lichtzeichenanlage, den Funk, die Sicherheitselemente im Inneren und die Folien außen“, erklärt Armin Kersting. Er hat die neue Reparaturhalle bereits vor Augen. Sie soll auf einer Freifläche, die an die Emscher grenzt, entstehen und mit einer Größe von 460 m² Platz bieten für zwei Pkw-Bühnen, eine Lkw-Bühne, die Reinigungs- und Folierungsarbeiten. „Wir sind übrigens“, fällt Kersting beim Blick aufs Gelände ein, „die einzige JVA mit einem eigenen Fluss.“ Er zeigt auf die blaue Fußgängerbrücke über die Emscher, die der JVA gehört und zum Sportplatz auf der anderen Seite führt. „Wir werden durchflossen.“ In Zukunft vielleicht auch mit regenerativen Energien.

 

Dieser Text erschien in geänderter Form in der Umbau21-Ausgabe 11/2019.