Gelungene Quartiersentwicklung in Düsseldorf Lichtenbroich

200 neue Wohnungen sollen im Bestand entstehen

Die Vonovia plant auf derzeit ungenutzten Flächen in Düsseldorf Lichtenbroich umfassende Nachverdichtungen. Hierdurch werden über 200 neue Wohnungen in einer vorhandenen Bestandsstruktur mit derzeit ca. 430 Wohneinheiten entstehen. Der daraus resultierende bauliche Eingriff führte dem Wohnungsunternehmen die Notwendigkeit vor Augen, ein ganzheitliches Quartier zu entwickeln.

Die Planungen für den neuen Wohnraum hat die Vonovia zum Anlass genommen, weitere Themenfelder aus den Bereichen Wohnumfeld, Städtebau, Freiraum, Mobilität, Image und Mieterkommunikation in den avisierten Umbauprozess mit einzuschließen. Aufgrund der vielen erfolgreich abgeschlossenen Projekte mit der Innovation City Management GmbH (ICM), zum Beispiel im Essener Elting-Viertel oder in Hamburg Wilhelmsburg, sowie der geplanten ganzheitlichen Herangehensweise in Düsseldorf bot sich auch für das Quartier in Lichtenbroich eine Zusammenarbeit an.

In der bisher geleisteten Projektarbeit analysierte die ICM bereits die räumlichen, baulichen sowie sozialen Gegebenheiten und erstellte unter Berücksichtigung der Planungsabsichten des Auftraggebers eine Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT). So konnte als ein Ergebnis festgehalten werden, dass besonders ältere Menschen und Familien das Quartier als interessant einstufen. Für das Projekt resultiert daraus die Chance, das Quartier von innen heraus stärken und hinsichtlich genau dieser Bedarfe zukünftig auch neu aufstellen zu können. Ziel sollte also sein, Infrastruktur und Angebote für die jetzigen und die potenziellen Mieter weiterzuentwickeln. Auch das Wohnumfeld sollte demnach zielgruppengerecht umgestaltet werden. Freie Flächen auf den Rückseiten der Gebäude könnten als Ruhebereiche für die Bewohner ausgewiesen werden, für Kinder und Jugendliche braucht es dann aber auch Alternativ-Standorte, die als Aufenthalts- und Spielorte frei zugänglich sind. Ein weiteres Ergebnis der Stärken-Schwächen-Analyse war die Erkenntnis, dass die Freiraumqualitäten sowie der Pflegezustand des Quartiers in westlicher Richtung zunehmen. Auch hierbei galt es, die Ursachen zu identifizieren und die daraus resultierenden Chancen für den weiteren Projektverlauf zu nutzen.

Vonovia und ICM arbeiten in Düsseldorf-Lichtenbroich zusammen. Foto: ICM

 

Mit eingeflossen in die Analyse sind ebenfalls die Bestandsstrukturen (Ausstattungsstandards, Wohnungszuschnitte, etc.) sowie Mieterstrukturen und Mieter-Anforderungen. Letztere wurden im Rahmen einer Mieterbefragung erhoben. Hierzu entwickelte die ICM eine passgenaue Strategie, erstellte auf Grundlage erster Analyseergebnisse einen Fragebogen und wertete diesen gemeinsam mit dem Auftraggeber aus. Durch die positive Rücklaufquote von über 25 Prozent können die Bedarfe des derzeitigen Mieter-Klientel somit auch in die spätere Maßnahmenentwicklung einfließen. Weitere Beteiligungsaktivitäten der Bewohner werden sich noch anschließen.

Ein wesentlicher Erkenntnisgewinn bei der Mieterbefragung war die Tatsache, dass viele Bewohner sich grundsätzlich wohl in ihrer Wohnung fühlen und auch das Angebot und die Pflege der umliegenden Grünflächen im Quartier schätzen. Die Identifikation mit der Siedlung und den dort lebenden Menschen scheint grundsätzlich gegeben zu sein: Rund 25 Prozent der Befragten sagten aus, dass sie sich ebenfalls ehrenamtlich im Quartier engagieren würden.

Mieter-Befragung: Gewinnerin wohnt zehn Monate mietfrei

Ein besonders schöner Nebeneffekt der Befragung ergab sich für eine alleinerziehende Bewohnerin im Quartier. Auf Initiative der ICM wurde gemeinsam mit der Vonovia ein Gewinnspiel unter allen teilnehmenden Bewohnern initiiert, um eine möglichst hohe Teilnehmerbereitschaft zu generieren. Als Gewinn lobte die Vonovia getreu dem Aufruf „10 min Fragebogen für 10 Monate mietfrei wohnen“ eine zehnmonatige Mieterstattung aus. Als die Bewohnerin erfuhr, dass ihre Karte aus der Teilnehmerbox gezogen wurde, war die Freude groß.

Das Projekt wird voraussichtlich Ende Mai 2021 beendet sein, aber die interessanteste Projektphase steht erst noch an: die Maßnahmenentwicklung. Auch hierbei sollen die Mieter weiter mitbestimmen dürfen, wenngleich die aktuellen Corona-Beschränkungen eine Beteiligung vor große Herausforderungen stellen.

In einem abschließenden Schritt werden ICM und Vonovia aufbauend auf den Ergebnissen und angelehnt an die aufgestellten Maßnahmen entsprechende Imageempfehlungen zur Positionierung des Quartiers in der Außenwirkung geben. Erste Ideen für potenzielle Quartiersnamen konnten schon gesammelt werden, bleiben aber noch geheim. Vielleicht ergeben sich zukünftig noch kreative Ideen aus der Mieterschaft.

Autoren: Nathalie Pastwa, Dominik Serfling | ICM