InnovationCity fordert Marshallplan für den klimagerechten Stadtumbau

  • Bundesregierung soll Weichen für ein nationales Förderprogramm stellen
  • Modellstadt Bottrop demonstriert: Deutschland kann die Klimaziele erreichen

Die Welt schaut in diesen Tagen gebannt zum Weltklimagipfel nach Bonn. Neben Exkursionen in die Modellstadt Bottrop ist die Innovation City Management GmbH (ICM) auch bei der „NRW Climate Lounge“ vor Ort präsent: Gestern stellte ICM-Geschäftsführer Burkhard Drescher in Bonn den ganzheitlichen Ansatz des Modellprojektes InnovationCity Ruhr vor.

In Berlin gehen die Jamaika-Verhandlungen in die nächste Runde. Letztlich wird die Klimapolitik maßgeblich darüber entscheiden, ob eine Koalition zustande kommt. „Wenn sich die Parteien jetzt nicht zu einer gemeinsamen Marschrichtung zur Stärkung des Klimaschutzes durchringen können, steht ihnen nur noch ein einziger Hebel zur Verfügung, die deutschen Klimaziele für das Jahr 2020 zu erreichen: einen „Marshallplan“ zur klimagerechten Sanierung unserer Städte“, erklärt Burkhard Drescher, Geschäftsführer der Innovation Management GmbH aus Bottrop. „Dass die deutschen Klimaziele erreichbar sind, haben wir in Bottrop in den vergangenen Jahren bewiesen. Hier schaffen wir bis 2020 sogar die 50 Prozent CO2-Reduktion. Ein nationales Förderprogramm für den energetischen Stadtumbau wäre jetzt das richtige Signal auch für die Bonner UN-Klimakonferenz.“

Bereits nach fünf Jahren energetischen Stadtumbaus kann Bottrop eine deutschlandweit einzigartige Bilanz vorweisen: Die Modellstadt stößt rund 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr weniger aus und wird 2020 mit 50 Prozent CO2-Reduktion die Ziele des Pariser Klimagipfels sogar übererfüllen. „InnovationCity“ ist ein Leuchtturm-Projekt aus NRW, das einen ganzheitlichen Entwicklungsansatz gewählt hat und die Themen klimafreundliches Wohnen, Mobilität, Arbeiten und andere Handlungsfelder vorantreibt. Ziel ist die Halbierung der CO2-Emissionen in nur zehn Jahren.

Die Veranstaltungsreihe „NRW Climate Lounge“ bietet an neun Tagen COP23-begleitende Veranstaltungen an. Gestern loteten die anwesenden Experten aus, wie eine klimaverträgliche Stadt- und Quartiersentwicklung aussehen kann. „Wir brauchen jetzt ein nationales Investitionsprogramm für unsere Städte und Kommunen“, sagt Burkhard Drescher. „Rund 75 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland sind älter als 30 Jahre und müssten saniert werden. Das ist der größte Hebel, die Klimaziele zu erreichen und nachhaltig Energie einzusparen. Doch die Sanierungsrate stagniert bundesweit bei knapp einem Prozent. Dabei ließe sich die Sanierungsquote mit einer intelligenten Förderpolitik leicht vervielfachen. Das investierte Geld wäre zugleich ein gewaltiger Schub für die kommunale Wirtschaft und für den Technologie-Standort Deutschland.“ Die Innovation City GmbH engagiert sich dafür, dass Deutschland die Klimaziele doch noch einhalten kann. Seit März 2016 werden über den „InnovationCity roll out“ in 20 Quartieren des Ruhrgebiets sowie bundesweit in weiteren Städten konkrete Konzepte für die Stadtmodernisierung erstellt. „Die Nachfrage nach einer Übertragung des InnovationCity-Konzepts ist hoch“, erklärt Burkhard Drescher. „Doch die Städte und Kommunen brauchen jetzt die nachhaltige Unterstützung des Bundes, damit sie diesen Weg weitergehen können. Ich fordere die Berliner Koalitionäre deshalb auf, mit einem Marschallplan für den Stadtumbau diesen Prozess kraftvoll zu forcieren“.