Da hängt einer der Sensoren: Burkhard Drescher, OB Bernd Tischler, Bernhard Lüschper und Klaus Müller zeigen darauf. Foto: ICM

Weiträumige Messung der Luftqualität startet in der InnovationCity Bottrop

Bottrop, 13. März 2020 – Eine weiträumige Messung der Luftqualität zur Konzipierung einer intelligenten Steuerung des Straßenverkehrs ist das Ziel eines jetzt startenden Testbetriebs in der InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop. Dazu wurden im vergangenen Jahr an 24 Straßenlaternen Sensoren installiert, die nun in einem etwa 30 Quadratkilometer großen Areal rund um die Stadtmitte die Luftqualität ermitteln sollen. Die Sensoren werden an eine Plattform angebunden, die die Messergebnisse protokolliert und somit eine Auswertung der Daten ermöglicht. Das sogenannte „Air Quality“-Projekt wird von den drei Partnern Stadt Bottrop, innogy SE und Innovation City Management GmbH (ICM) umgesetzt.

Präzise Werte zur Luftqualität wurden in Bottrop bislang durch Feinstaubmessstationen des Landes ermittelt sowie durch die vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz betriebene Messstation. Mit der von innogy im Verkehrsraum installierten Lösung kommen nun Erkenntnisse einer weiträumigen Messung hinzu. Sie stellt insofern eine optimale Ergänzung dar. Acht Hochpräzisionssensoren messen die Werte für Stickstoffdioxid (NO2), Feinstaub (PM2,5 / PM10) und Ozon (O3). 16 weitere Sensoren ermitteln die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit und die Werte zur Bestimmung des Luftqualitätsindex.

Sensoren liefern Daten in Echtzeit

„Natürlich haben wir im innerstädtischen Bereich auch in der Vergangenheit Messungen zur Luftqualität durchgeführt“, erklärt Oberbürgermeister Bernd Tischler, „mit diesem Projekt gehen wir nun aber in die Fläche.“ Jeder Sensor liefert demnächst in Echtzeit Daten, die dann zunächst validiert und in einem zweiten Schritt interpretiert werden müssen. OB Tischler: „Ich verknüpfe mit dem Projekt das langfristige Ziel, dass wir in Zukunft Verkehrsflüsse anhand der gewonnenen Daten intelligent lenken können und damit Einfluss nehmen auf die vom Verkehr verursachten Werte.“ Damit leiste das „Air Quality“-Projekt perspektivisch auch einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger.

Bürger sollen Einblick in ermittelte Werte erhalten

Klaus Müller, Technischer Beigeordneter der Stadt Bottrop, betont den Aspekt der Transparenz bei dem Projekt. „Wir arbeiten mit innogy an den Schnittstellen zu unserer EDV. Letztlich soll jeder Bottroper über das Geoinformationssystem Einblick in die ermittelten Werte erhalten.“ Die Luftqualitätsmessungen sind zunächst bis Ende 2020 geplant. Die in diesen Monaten gesammelten Informationen könnten dann bei einer Fortsetzung des Projektes beispielsweise Erkenntnisse darüber liefern, ob bestimmte Maßnahmen im Verkehr, wie die Herabsetzung des Tempolimits, zu veränderten Ergebnissen führen.

Technik eröffnet intelligente Optionen

In dem für die Modellstadt Bottrop erstellten Masterplan mit hunderten von möglichen Maßnahmen zur CO2-Reduktion spielt das Handlungsfeld Mobilität eine zentrale Rolle. „Der Verkehr ist für uns am schwierigsten zu beeinflussen“, berichtet Burkhard Drescher, Geschäftsführer der ICM. „Die nächste Stufe im Einsatz dieser Sensoren ermöglicht eine Verkehrssteuerung über die erfassten Umweltwerte. Wird die Belastung in einem Bereich zu hoch, wird der Verkehr anders geleitet oder verlangsamt. Durch diese Technik eröffnen sich viele intelligente Optionen.“ Bei entsprechender Digitalisierung der Stadt- und Lebensräume sei es denkbar, dass die Sensoren Signale an die Navigationsgeräte vielleicht bereits autonom fahrender Autos senden, an die Steuergeräte von Ampelanlagen und an digital gesteuerte Verkehrsschilder. „Das ist eine Vision für die Metropole Ruhr.“

Infrastruktur für die Stadt der Zukunft

Bernhard Lüschper, Leiter der Smart Pole Factory bei innogy, sagt: „Mit der neuen Sensorik an bestehenden Straßenlaternen in Bottrop zeigen wir die Infrastruktur für die Stadt der Zukunft. Neben der Erprobung neuer Sensortechnologien wird in Bottrop erstmals die Messung der Luftqualität in einem großen, zusammenhängenden Bereich ermöglicht. Das Air Quality-Projekt soll natürlich einen Nutzen für die Bürger der Stadt Bottrop bieten. Die Daten werden für die Bürger einsehbar und liefern eine belastbare und transparente Grundlage für die Entwicklung von Maßnahmen. So wollen wir das Leben der Bürger in den Städten verbessern und ihnen echte Mehrwerte liefern.“

innogy ist Betreiber von mehr als einer Million Leuchtpunkten in Europa und verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Straßenbeleuchtung in städtischen und ländlichen Gebieten. Diese Kompetenz nutzt innogy, um die intelligente Straßenbeleuchtung voranzutreiben. Erste Pilotprojekte wurden bereits in Essen, Bochum, Traben-Trarbach und Erndtebrück gestartet.